Donnerstag, 26 März 2015 12:29

Eine Reise nach Mazedonien und in den Kosovo Empfehlung

geschrieben von 

Und wieder waren ein paar Jungs auf Telemarkski in Mazedonien und im Kosovo unterwegs. Was Tobi, Oli, Hitzi und Knobi auf ihrer ungewöhnlichen Reise erlebt haben, könnt ihr in ihrem kleinen Bericht nachlesen.

"Als sich im Freundeskreis rumsprach, wohin unsere diesjährige Reise geht, war die Verwunderung bei vielen doch recht groß. Was? Mazedonien und waaaaaaas? KOSOVO?!? Das ist doch ein Krisengebiet und … kann man da überhaupt Ski fahren? Man kann! Und das ganz hervorragend. 

Die Reise dorthin is wirklich sehr einfach. Besonders wenn man im Allgäu wohnt. Keine zwei Stunden Flug ab Memmingen bis Skopje. Dann noch ne gute Stunde bis nach Popova Sapka in die gute Stube von Eskimo Freeride.

Es gibt bereits einige Artikel und Berichte über Eskimo Freeride und seinen Besitzer Tomislav Tiska (kurz Tom), und man muss sagen … diese treffen voll und ganz zu.

Das Schöne an Popova Sapka ist … man wohnt in der hauseigenen Snow Patrol Lodge, ist in 3 min. an den Snowcats und in ca. 15 min. beim ersten Run. Dafür muss man sich die Berge mit der zweiten Snowcat teilen. Klingt jetzt schlimmer als es ist. Das Gebiet ist weitläufig genug, um immer wieder mehr oder weniger unverspurte Hänge zu finden.

Ach so … über den Schnee sollte ich noch was sagen … Wie zuhause. Es gab zwar den einen oder anderen Niederschlag, es gab aber auch Wind. So hat man ab und zu mit wechselnden Schneeverhältnissen zu tun, wird aber in Rinnen, Mulden und im Wald immer noch „Tiefschneefündig“.

Tom betreibt mittlerweile drei Snowcats. Zwei in Popova Sapka und eine in Solunska Glava. Letzteres Gebiet ist neu erschlossen, und wir hatten die Ehre, dieses als erste „Touris“ zu befahren. Das führte allerdings dazu, dass wir die Snow Patrol Lodge schon nach unserem ersten Tag wieder verlassen mussten und zurück nach Skopje in ein kleines Hotel fuhren.

Dort wurden wir tags darauf von einem Guide abgeholt, der mit uns ca. 50 min. über teilweise enge und mit Furten durchzogene Straßen bis zu einem kleinen Dorf namens Patishka Reka außerhalb von Skopje fuhr. Dort wartete bereits unsere Snowcat, die uns weitere 60 min. zum Gipfel fuhr. Insgesamt eine lange Fahrt … aber die war’s wer.

Ein ganzes Bergmassiv ohne Spuren! Nicht besonders steil, aber weitläufig. Man konnte nur aufgrund der Snowcatspuren erahnen, wo heute unser Spielplatz sein wird. So fuhren wir bis in die Nacht hinein und waren erst wieder um ca. 21.00 Uhr in Skopje.

Auch an Tag drei waren wir wieder in Solunska Glava. Allerdings heute mit schlechter Sicht und einem verrückten letzten Run bis runter nach Patishka Reka. Wieder im Dunklen, mit geschulterten Ski vorbei an kläffenden Hunden, die ihre Schafe bewachten …. Abenteuer halt!

Aber genau so wollten wir es! Also ab ins Auto und weiter in den Kosovo nach Brezovica. Nach ca. 1,5 Std. und einem akkuratem Grenzübertritt inklusiv aller Stempel erreicht man das Restaurant David’s im Ski Center Brezovica … sehr gemütlich eingerichtet und mit angegliedertem Hostel, in dem wir auch nächtigen werden.

Wir werden sofort wärmsten empfangen vom Chef selbst. „A g’standns Mannbild“, wie man in Bayern sagen würde. In einer schon leicht zerschlissenen Arbeitskleidung, riesen Händen und einem verschmitzten Lächeln. “Hi, i’m DANE, nice to meet you! Do you like a Rakija?“ Wer könnte da nein sagen! Und gleich noch ne Runde Bier dazu … war ja ein langer Tag! 

Rakija wird hier aus allem gebrannt, was eine Frucht ist. So trinken wir uns von Traube über Pflaume zu Apfel und freuen uns auf‘s Essen. Denn das Essen ist hier der Wahnsinn. Hat sich in Mazedonien schon abgezeichnet, dass wir diesen Urlaub nicht verhungern werden.

Tag 1 in Brezovica präsentiert sich genauso sonnig wie die Tage zuvor, und es offenbart sich der erste Blick auf das Gebiet. Die alten Lifte von vor 30 Jahren stehen immer noch da. Es laufen noch zwei, der Rest verfällt. So kommt es einem an manchen Stellen ein bisschen vor wie in einem Endzeitfilm, und man stellt sich vor, welche Möglichkeiten dieser Skiort hätte, wenn noch alles laufen würde. Unglaublich!
Aber dafür haben wir ja die Snowcat, bzw. die Snowcats … Dane hat nämlich zwei, und er denkt an weitere Investitionen. Damit bringt er uns an die besten Spots, und wir fahren breite Powderhänge, steile Couloirs und weite Täler.

Am Abend erzählt uns Dane ein wenig über die Gegend, über Früher und warum er das Ganze hier überhaupt macht.  So erfährt man, dass Brezovica seinerzeit als Backup Austragungsort der Olympischen Spiele von Sarajevo 1984 gedacht war, sollte Sarajevo keinen Schnee haben.
Man erfährt, dass Brezovica eine serbische Enklave in der Gemeinde Štrpce ist und wahrscheinlich auch deshalb nicht so viel vorwärts geht wie Dane es gerne hätte.

Der macht das hier nämlich mit einer gehörigen Portion Idealismus … und auch nur „nebenbei“, da er eigentlich bei der Regierung arbeitet. Aber er will, „dass sich in der Gegend was rührt und vorwärts geht“ .. .so wie schon sein Vater und dessen Vater, und die größte Angst ist irgendein privater Investor, der das Skigebiet kauft und somit die alt eingesessenen Betriebe um ihre Existenz bringt.
Darauf erst mal einen Rakija! 

Tag zwei und drei verlaufen wie Tag eins. Wir fahren Powder, den einen oder anderen Firnhang, erlaufen uns mit ca. 20 min. Hikes das ein oder andere „Schmankerl“ und überqueren dabei manchmal die grüne Grenze nach Mazedonien … was nicht so schwer ist, da sich der Gebirgszug Šar Planina auf rund 80 km zwischen Kosovo und Mazedonien erstreckt.

Kurzum: Wir sind rundum zufrieden! Das liegt natürlich am Wetter und dem immer noch guten Schnee, aber zum größten Teil an Dane und seinen Leuten, die sich ständig um einen kümmern und vieles möglich machen!

Wir verlassen Brezovica mit ein bisschen Wehmut … müssen aber zurück nach Skopje. Haben bei Eskimo schließlich die „Partynight in Skopje“ gebucht. Fallen um 5 Uhr ins Bett. Gott sei Dank geht der Rückflug erst um 13.00 Uhr. 

Résumé:Ein perfekter, preisgünstiger Urlaub in zwei hervorragenden Freeride Gebieten. Was schneidet besser ab? Mazedonien oder Kosovo? Ich persönlich sehe den Kosovo als Freeride-Gebiet weiter vorn. Das liegt zum einen an der familiäreren Art und dem in meinen Augen abwechslungsreicherem Skigebiet. Das soll jetzt aber kein Minuspunkt für Mazedonien sein. Im Gegenteil! Hier ist alles schon länger am Laufen und somit in manchen Belangen besser organisiert, aber dadurch auch an der einen oder anderen Stelle zu sehr „Business as usual“!" 

In diesem Sinne …
Da Knobi

 

 

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