Freitag, 31 Oktober 2014 12:27

Livigno öffnet die Berge

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Livigno kennen viele von uns ja durch die La Skieda. Aber auch außerhalb dieser Telemark-Woche lohnt es sich, nach Livigno zu fahren. Denn gerade für die Telemarker, die abseits der Pisten fahren wollen, gibt es dort neuerdings eine Menge zu bieten.


Dass Freeriden angesagt ist und eine Menge Spaß machen kann, ist keine Erfindung der Neuzeit. Bereits 1931 rockten die damals besten Skifahrer der Welt in dem Film „Der weiße Rausch“ die unverspurten Hänge, fuhren voller Freude und Vergnügen durch den Tiefschnee, zogen die ersten Linien im Powder und sprangen über Wächten. Doch schnell schoben die Skigebiete aus Sicherheitsgründen diesem Variantenfahren den Riegel vor.

„Das Fahren außerhalb der markierten Pisten ist verboten“, ist aufgrund der möglichen Lawinengefahr immer wieder und fast überall zu lesen. Livigno, dieser famose Skiort in der italienischen Provinz Sondrio in der Lombardei und bei uns Telemarkern durch die La Skieda überaus bekannt, geht nun aber einen komplett anderen Weg - und öffnet für die Ski- und Snowboardfahrer die Berge. "Freeriden stößt bei den Wintersportlern auf immer mehr Begeisterung - mit unseren ganz neuen Tiefschnee-Hängen und insbesondere mit einem neu etablierten Dienst sorgen wir dafür, dass dabei neben dem Spaß auch größtmögliche Sicherheit gewährleistet wird. So können unsere Gäste und die Einheimischen optimal vorbereitet durchs tiefe, unbeschwerte Weiß fahren", erklärt Tourismusdirektor Luca Moretti.

Im vergangenen Winter startete dieses einzigartige Projekt Freeride. Als eines der wenigen Skigebiete ermöglicht Livigno seitdem das Fahren abseits der Pisten und stellt dafür sogar einen lokalen Dienst für bestmögliche Sicherheit zur Verfügung. Das Team um Bergführer Fabiano Monti sammelt jeden Morgen aktuelle Daten eigens für das Skigebiet von Livigno und informiert die Freerider über die aktuellen Schnee- sowie Wetterbedingungen. Für die neue Saison soll dieser Service sogar noch ausgebaut werden, es werden dann ganz detaillierte Daten für die einzelnen Hänge bereit gestellt.

„Wenn man den ganzen Winter über die Schneelage verfolgt, kam man die Situation schon ganz gut einschätzen“, sagt Monti, der fast jeden Morgen gegen 6 Uhr den Berg mit der Gondel hochfährt oder mit Fellen unter seinen Ski hochläuft und dann die Lage vor Ort checkt. „Wir kontrollieren aber ganz bewusst die schlechtesten Stellen, um vom worst case auszugehen. Denn dann wissen wir, in den anderen Hängen ist es besser, zumal die Freerider nicht an den schlechten, sondern an den guten Stellen fahren“, fügt der 32-Jährige hinzu.

Zudem erstellt er jede Woche ein Schneeprofil, um ganz genau zu wissen, wie sich der Schnee verbunden hat und wie gefestigt oder rutschig die verschiedenen Schneelagen sind. „Wir stellen dann ein Lawinenbulletin zur Verfügung, mit dem der Skifahrer arbeiten kann“, fügt Monti hinzu. „Natürlich bin ich mir der Verantwortung meines Jobs bewusst. Und ich möchte auch nicht daran denken, was passiert, wenn es mal ein Lawinenunglück geben sollte. Aber wir wollen unser Skigebiet nicht dicht machen. Und aufhalten können wir sowieso niemanden. Daher weisen wir lieber af die Gefahren in, stellen die Daten zur Verfügung und appellieren an das Verantwortungsgefühl der Leute.“

Doch neben der täglichen Schneekontrolle stellt Livigno auch die entsprechenden Hänge bereit. Zwischen verschiedenen Pisten oder manchmal auch abseits der präparierten Abfahrten werden manche Bereiche nicht von den Pistenbullys platt gebügelt, sondern der frisch gefallene Schnee wird dort einfach liegengelassen. Diese Hänge sind dann – ähnlich wie es die Skifahrer von einem Pistenplan kennen – ebenfalls nummeriert und haben einen Namen. Diese „unbehandelten“ Bereiche dürfen dann von den Freeridern benutzt werden. Dabei müssen sie einerseits die von Fabiano Monti zur Verfügung gestellten Daten im Hinterkopf haben. Und sie müssen das nötigen Sicherheits-Equipment dabei haben wie ein Lawinen-Verschütteten-Such-(LVS)-Gerät, eine Lawinensonde und eine Schaufel. Die Polizei, die in Livigno unterwegs ist, führt dabei immer wieder Stichproben durch und kontrolliert, ob die Freerider entsprechend ausgerüstet sind.

„Wir setzen eben nicht auf Spa und Wellness, sondern auf den sportlichen Bereich. Unsere Gäste sollen merken, Livigno bietet etwas, Livigno ist eine Sportstadt“, erklärt Luca Moretti. Der frühere Skiprofi ist seit zwei Jahren der Tourismuschef von Livigno, hat zuvor unter anderem in Whistler (Kanada) gelebt und dort erlebt, dass man eben raus ins Skigebiet geht, wenn es geschneit hat.
Und aus Whistler kennt Moretti natürlich auch das Heliskiing, das nun auch in Livigno möglich ist und ein weiteres Teil des Projekts Freeride ist. Ein bestimmtes Tal wurde in Livigno dafür freigeben, nur dort kann der Heli fliegen – und dort können die Freerider dann auf eine noch exklusivere Art in Begleitung von erfahrenen Bergführern durch den unverspurten Schnee fahren. „Es wird aber nur einen Heli geben, auch wenn die Nachfrage größer werden sollte“, sagt der Tourismuschef. „Das Heliskiing soll für unsere Gäste etwas Besonderes sein. Und es soll die Umwelt nicht noch weiter belasten.“

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