Donnerstag, 21 November 2013 12:58

Im Interview: Andreas "Schuppi" Riedle

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Andreas Riedle? Nie gehört. Schuppi? Klar, den kennt in der Telemarkszene jeder. Wir wollen euch in unserer Interview-Serie Andreas "Schuppi" Riedle ein wenig näher vorstellen.

Dein normaler Name lautet Andreas Riedle. Aber jeder kennt dich nur unter Schuppi. Wie kam es zu dem Spitznamen?
Schuppi: Den Spitznamen Schuppi habe ich mir als Teilnehmer auf dem Telemark Instructor Lehrgang eingefangen.
Da stand am ersten Tag Skating auf dem Programm, und weil ich keine eigenen Skating Ski besitze, wollte ich mir welche in einem Sportgeschäft im Stubaital ausleihen. Der Sporthändler empfahl mir ein Modell namens „Nordic Cruiser“, das etwas breiter und nicht so wackelig sei. Im Hotel stellte ich fest, dass der Nordic Cruiser auf der Lauffläche Schuppen hat. Irritiert fragte ich bei der Lehrgangs-Eröffnung vor versammelter Mannschaft, ob ich den Schuppenski wirklich zum Skaten verwenden könne oder ob ich den Ski besser tauschen sollte. Für diese Frage bekam ich von den Ausbildern den Spitznamen Schuppenandi. Und aus Schuppenandi wurde im Laufe der Zeit Schuppi. Was die meisten nicht wissen: Am nächsten Tag habe ich meinen Nordic Cruiser wieder zum Sporthändler gebracht, um ihn gegen einen ordentlichen Skatingski zu tauschen. Da traf ich vier Kollegen aus meinem Lehrgang, denen der "Sportfachhändler" auch einen Nordic Cruiser angedreht hatte…
 
Was machst du in deinem normalen Leben außer Telemarkfahren?
Schuppi: Im richtigen Leben wohne ich in der Nähe von Stuttgart und arbeite in einem großen Unternehmen als Fachreferent im Einkauf.
 
Seit wann fährst du Telemark?
Schuppi: Seit 2002 bin ich Telemarker. Mein Bruder Stefan kam von einem Telemarkkurs nach Hause und berichtete: Telemarken ist eine coole Sportart, die du unbedingt mal ausprobieren solltest! Er selbst ist trotzdem beim Snowboarden geblieben und fährt inzwischen auch wieder viel Ski… Damals habe ich mich beim Schwäbischen Skiverband für die Fortbildung für Telemarkeinsteiger angemeldet. Die Umstellung vom harten Alpinschuh auf eine wacklige Dreipin-Bindung und ausgelatschte  Tourentelemarkschuhe war spannend und führte zu heftigen Einschlägen… Seit diesem Tag bin ich nur noch zwei Tage lang in Alpinskischuhen gefahren.
 
Und was bedeutet dir diese Sportart?
Schuppi: Telemarken ist meine Leidenschaft, die ich gerne mit anderen Sportlern teile.
Ich versuche so oft wie möglich auf Telemarkski im Schnee zu verbringen und empfinde den Sport als idealen Ausgleich zum Berufsleben.
 
Was ist für dich das Spezielle am Telemarksport?
Schuppi: Freiheit - nicht nur im Fersenbereich...
 
Du bist sehr beim DSV engagiert? Was machst du sonst noch alles im Telemarkbereich?
Schuppi: Im Deutschen Skiverband (DSV) bin ich Ausbilder im fünfköpfigen Telemarklehrteam und leite auch den Telemarkbereich des Schwäbischen Skiverbands (www.online-ssv.de). Zusätzlich habe ich mich dieses Jahr in den Vorstand des Fördervereins TELEMARK PLUS e.V. wählen lassen.
 
Welchen Stellenwert hat Telemark beim DSV? Wird Telemark ernst genommen oder fristet der Sport neben den Alpinen, Biathleten oder Skispringern ein Mauerblümchen-Dasein?
Schuppi: Sowohl der Telemark Ausbildungsbereich als auch der Rennsport haben sich aus meiner Sicht den Respekt der Kollegen aus anderen Schneesportdisziplinen erarbeitet. Das ging nicht von einem Tag auf den anderen, doch wir konnten in den letzten Jahren einiges bewegen. Trotzdem befinden wir uns als Telemarker auch innerhalb des DSV in einer Nische, in der es sich aber ganz gut leben lässt.
 
Der DSV organisiert Lehrgänge in Sachen Telemark? Ist die Nachfrage da sehr groß oder fristet diese Disziplin eher ein Schattendasein?
Schuppi: Die Teilnehmerzahlen bei den Telemark DSV-Fortbildungs-Lehrgängen und auch bei den Fortbildungen in den Landesverbänden wachsen jedes Jahr. Auf den Ausbildungslehrgängen im DSV haben wir Jahr für Jahr etwa gleich viele Teilnehmer, die sich zum Telemarklehrer ausbilden lassen.
 
Worauf legt ihr bei der Ausbildung und beim Lehrwesen besonders wert?
Schuppi: Auf dem Ausbildungslehrgang erarbeiten wir mit den Teilnehmern, wie jeder einzelne einen effektiven Kurs durchführen und seine Schüler zu begeisterten Telemarkern machen kann. In der Lehrprobe prüfen wir die Fähigkeit, einen Kurs zu geben, mit richtigen Schülern ab. Dieser Prüfungsmodus mag für Außenstehende normal klingen, ist aus organisatorischen Gründen aber nicht in allen Bereichen der Skilehrer-Ausbildung selbstverständlich. Schöner Nebeneffekt ist, dass wir Jahr für Jahr weitere Telemarker gewinnen. Außerdem legen wir Wert darauf, dass unsere Teilnehmer sowohl im Gelände als auch auf der Piste souverän telemarken können.
 
Wird bei euch nach Schema F gearbeitet, so dass jeder Telemarker den gleichen Stil fahren soll? Oder seid ihr da sehr offen und legt großen Wert auf Individualität?
Schuppi: Jeder Telemarker ist ein Individualist, sonst wäre es kein Telemarker. Die Teilnehmer unserer Kurse bringen sehr unterschiedliche Biographien und sportliche Erfahrungen mit, die wir individuell fördern und weiterentwickeln.
Dies ist sowohl für Teilnehmer als auch für Ausbilder die Basis für spannende Lehrgänge. Das Lernkonzept „Die 4 Schlüsselkriterien“ bietet Telemarkern genügend Raum für einen individuellen Style und legt den Focus trotzdem auf die wesentlichen Punkte, die alle guten Telemarker einhalten - ob bewusst oder unbewusst.
 
In welche Richtung möchte der DSV das Thema Telemark bringen?
Schuppi: Wir wollen die Bekanntheit und Verbreitung des Telemarksports fördern. Durch die Ausbildungslehrgänge versuchen wir zur kontinuierlichen Steigerung des Telemark-Niveaus in Deutschland beizutragen. Alle ausgebildeten Telemarkskilehrer sind wichtige Multiplikatoren, die in ihrem Bekanntenkreis und in ihren Vereinen neue Telemarker gewinnen. Deshalb wollen wir den Pool an ausgebildeten Telemarkern, die den Sport mit Leidenschaft und Spaß betreiben, weiter ausbauen.
Im Rennsport will das Telemark Team Germany um Trainer Fritz Trojer weiterhin möglichst viele Medaillen bei Weltmeisterschaften und im Weltcup gewinnen. Was Tobi Müller und Co. letzte  Saison erreicht haben war sensationell und ich gehe stark davon aus, dass wir aus deutscher Sicht auch diese Saison einigen Grund zum Jubeln haben.
Vielleicht sind diese Erfolge auch eine Chance, den Telemarksport öfter in den Medien zu präsentieren und dadurch insgesamt bekannter zu machen.
Ein wichtiges Ziel ist es auch, mehr Jugendliche für den Telemarksport zu begeistern.
Dazu wurde der Förderverein TELEMARK PLUS e.V. (www.telemarkplus.de) gegründet, der es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht hat, Kinder und Jugendlichen bei ihren Telemarkaktivitäten zu unterstützen. Apropos Jugendliche: Ab dieser Saison kann man erstmals schon mit 16 Jahren in die Skilehrerausbildung einsteigen und sich zum Telemarkübungsleiter ausbilden lassen.
 
Einmal im Jahr findet das größte Festival in Sachen Telemark im Kleinwalsertal statt. Wer ist da alles involviert?
Schuppi: Das Telemarkfest im Kleinwalsertal wird von Telemarkern für Telemarker organsiert. Seit 3 Jahren wird das Fest vom Förderverein TELEMARK PLUS e.V. in Zusammenarbeit mit Kleinwalsertal Tourismus organisiert. Der Skiverband ist indirekt beteiligt, weil im Prinzip alle eingesetzten Telemarklehrer im Rahmen von DSV-Lehrgängen ausgebildet wurden und sich auch regelmäßig fortbilden. Außerdem werden die internationalen deutschen Telemarkmeisterschaften durch den DSV finanziell und mit Material unterstützt.
 
Was ist das Geheimnis der Beliebtheit dieses Festivals?
Schuppi: Wir haben beim Telemarkfest viele Wiederholungstäter, die seit Jahren ins Kleinwalsertal kommen.
Ein Grund ist sicherlich die familiäre Atmosphäre, bei der auch Neueinsteiger sofort in die Telemarkfamilie integriert werden. Der Schlüssel zum gemeinsamen Telemarkerlebnis sind die Workshops vor allem am Donnerstag und Freitag.
Wer dort in einer Gruppe mitfährt, kennt schon mal zwischen 8 und 10 Telemarker. Die treffen sich dann meistens bei den  Rahmenveranstaltungen und feiern gemeinsam. Insgesamt gibt es 25 bis 30 verschiedene Workshops pro Tag auf unterschiedlichem Level: Einsteiger, Fortgeschrittene, Gelände, Tour, Freestyle, Kids und Race. Das ist im deutschsprachigen Raum einmalig. Laut einer Befragung kommen viele Teilnehmer gezielt ins Kleinwalsertal, um ihre Telemarkfähigkeiten unter Anleitung weiterzuentwickeln. Für viele sportlich ambitionierte Telemarker sind die Deutschen Telemarkmeisterschaften ein Saisonhöhepunkt.
 
Und wann findet das Festival diese Saison statt?
Schuppi: Vom 12. bis 16. März 2014 findet das Telemarkfest wieder im Kleinwalsertal statt. (www.telemarkfest.de)
 
Steht das Motto für das nächste Telemarkfest schon fest?
Schuppi: Es ist beeindruckend, mit welchem Einsatz sich einige Teilnehmer auf das jeweilige Motto vorbereiten. Letztes Jahr gab es z.B. eine große Gruppe, die sich Mützen im Schwedenlook gestrickt hat. 2014 steht in Brasilien großer Sport auf dem Programm. Wir stimmen uns auf dem Telemarkfest schon mal mit dem Motto Brasilien darauf ein.
 
Was war das schönste und beeindruckendste Telemarkerlebnis, das du bislang hattest?
Schuppi: Der 3-wöchige Telemarktrip nach Chile mit Fritz Trojer und Volker Zink war mein Highlight auf Telemarkski. An dieses Abenteuer denke ich gerne zurück.


Schuppi, besten Dank für das Gespräch. Man sieht sich am Berg.

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