Donnerstag, 20 November 2014 12:06

Unser nächstes Interview - dieses Mal mit Marc Künkele Empfehlung

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Marc Künkele ist in der Telemarkszene bekannt wie ein bunter Hund. Wir haben uns die Zeit mal genommen und mit ihm ein wenig länger gesprochen. Was dabei herausgekommen ist und was er uns so alles verraten hat, wie er zum Telemarkefahren gekommen ist und was ihm der Sport bedeutet, könnt ihr bei uns nachlesen.

Wie  bist Du zum Telemarken gekommen, und wann? 
Marc: Mitte der 90ger Jahre war das -  ich war auf dem Kaunertaler Gletscher unterwegs, zu einem Lehrgang Ski Alpin. Am gleichen Hang trainierten auch Telemarker. Wir hatten Methodikfortbildung – sehr zäh – ein Lehrgang, bei dem man etwa vier Abfahrten am Tag macht. Es war Oktober, Sulzschnee, plus Grade – die Telemarker hatten im Sulzschnee deutlich mehr Spaß als wir. Da war für mich klar – das muss ich ausprobieren! Sofort kam die Frage: Wo kriegt man das Material her? Es gab es damals nur ein Sportgeschäft in Bayern, genauer gesagt in München  beim Harro Mulzer, wo man das Equipment besorgen konnte. Und so startete meine Telemark-Karriere mit Lederschuhen,  einer Kabelzugbindung und schmalen Backcountryskiern. 

Was bedeutet Dir Telemark? 
Marc: 
Für mich ist Telemark die schönste, ästhetischste Form, sich im Schnee fortzubewegen. Das ist für mich kein purer Sport, sondern Leidenschaft und vor allem: Erholung. Um komplett loszulassen, brauche ich nur  Berge, Schnee und Telemarkskier. Ich habe dann oft den Vergleich mit einem Maler im Kopf: Er hat eine weiße Leinwand, und fängt dann an, nach Gefühl zu zeichnen. So geht es mir mit einem unberührten Hang.

Du arbeitest in der Sportindustrie, unter anderem auch als Trainer für Telemark – vom Anfänger bis zum Rennläufer. Welchen Stellenwert nimmt das Telemarken in Deinem Job ein?
Marc: 
Für mich ist es natürlich super, wenn ich im Winter meine Leidenschaft an andere weitergeben kann. Bei meiner Tätigkeit in der Alpin Skischule Neustift im Stubaital habe ich es vor allem mit Hobbyfahrern – vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen - zu tun. Das Schöne ist, den schnellen Fortschritt mitzuerleben, da haben wir am Gletscher natürlich die besten Bedingungen. Hier kann ich dank des tollen Übungsgeländes vom Anfängerhang bis zur Tiefschneeabfahrt meinen Schülern Schritt für Schritt das Telemarken näher bringen. Als Ausbilder im Lehrteam der Bundessportakademie  (hat Auftrag für alle Fachverbände zu unterrichten z.B. auch ÖSV, Alpen Verein, etc, und ist auch als Schule beauftragt in Österreich die Diplomskilehrer auszubilden)  habe ich es vor allem mit angehenden Telemark-Instruktoren zu tun, da geht es neben Technik und Methodik auch um den Rennlauf. Wenn man selbst mehrere Jahre lang internationale Rennen gefahren ist, ist es natürlich ein tolles Gefühl, diese Erfahrungen mit angehenden Trainer zu teilen. 

Wie oft unterrichtest Du Telemark?
Marc: 
Über die Jahre hat sich ein Kreis an Stammkunden entwickelt, darunter auch Leute, die eine eigene Skischule führen und sich am Anfang der Saison wieder optimal vorbereiten möchten. Aber auch die Telemarker der „Royal Marines“ aus England kommen regelmäßig zu mir, und natürlich Hobbyfahrer. Ich mache das im Stubaital jetzt seit gut zehn Jahren, die Zahl der Telemark-Fans ist stetig gestiegen. 

Wenn Du Telemark unterrichtest, wie vermittelst Du Deine Lerninhalte den Schülern? 
Marc:  Wenn ein Schüler zu mir kommt, finde ich im Gespräch erst einmal heraus, welche sportlichen Voraussetzungen und koordinativen Fähigkeiten er oder sie hat. Darauf hin stelle ich ein individuelles Konzept zusammen, wie ich ihn oder sie zu seinen oder ihren ersten Telemarkschwüngen bringen kann. 

Du bist schon lange dabei – wie hat sich der Telemarksport seitdem entwickelt? War es der richtige Weg? 
Marc: Seit meinen Anfängen hat sich viel getan. Die Materialbeschaffung ist wesentlich einfacher geworden. Das Material an sich ist besser geworden, einfach haltbarer. Jetzt gibt es auch eine gewisse Auswahl an Firmen, die Telemark-Equipment herstellen. Das ist auf jeden Fall der richtige Weg – Telemarksport ist heute für jeden, der das machen möchte, möglich. Mittlerweile haben die nationalen Verbände ihre Ausbildungssituation geändert. Telemarkinstruktoren werden nun auch dort ausgebildet und geben ihr Fachwissen weiter.  Das führt natürlich dazu, dass es mehr Kurse und damit auch mehr Telemarker gibt – besser geht’s doch gar nicht! Der Breitensport steht somit auf sehr guten Beinen. Die Telemarkszene ist sehr gut vernetzt. Wir treffen uns auch außerhalb von Facebook regelmäßig zu kleinen Festivals oder gemeinsamen Wochenende, um unseren Sport in der Gruppe zu zelebrieren. 

Was fehlt dem Telemarksport, um so richtig abzugehen, wie es vor etwa 30 Jahren bei den Snowboardern der Fall war? 
Marc: Telemarken ist ein Sport, der sehr gediegen ist, sich am Freeriden orientiert, aber dennoch bodenständig ist. Mit großer Marketingmaschinerie hat das nichts zu tun – Telemarken ist da eher in einer Nische, und das ist auch gut so. 

Skiercross ist olympisch geworden, Freestyle auch, Snowboarden sowieso. Warum nicht der Telemarksport? 
Marc: Keine Ahnung. Aber wenn es nach mir geht – gerne! 

Du warst lange – und bist jetzt noch ab und zu - ein Teil der Wettkampfszene. Zuerst die klassischen FIS-Rennen, dann Telecross-Rennen. Was ist spektakulärer? Was ist für die Zukunft wichtiger? 
Marc: Die Frage für mich ist nicht, was ist spektakulärer. FIS-Rennen sind für unsere bestehenden Nationalmannschaften wichtig. Die freien Rennen – wie z.B. Telecross-Rennen – sind wichtig, um auch Breitensportlern zu ermöglichen, überhaupt an solchen Events teilzunehmen. Ein Nebenaspekt hierbei ist, dass junge Talente bei solchen Rennen entdeckt werden. So war das bei mir damals auch. In der Saison 96/97 hat mich der ehemalige Präsident der DTSO, der  Deutschen Telemarkskilauforganisation, Harro Mulzer, bei einem Telemarksprint angesprochen. 

Du bist im Sommer viel in Sachen Skating Und Inliner unterwegs. Ergänzt das den Wintersport oder ist das nur eine Beschäftigung mangels Schnee im Sommer?
Marc: Ich würde sagen: Ein typischer Fall von „Hobby zum Beruf machen“. Die Sportindustrie läuft ja auch im Sommer weiter. Und – gute Telemarker werden im Sommer gemacht. 

Wenn man Dich als Ski- oder Telemarklehrer buchen will, wie kann man mit Dir in Kontakt treten? 
Marc: Am einfachsten direkt bei der Alpin Skischule Neustift (www.alpin-skischule.com) melden, oder mich auf Facebook kontaktieren. 

Abschließend möchte ich mich bei meinen Sponsoren bedanken, ohne Euch wären die vielen Erfolge und unzähligen Höhenmeter nicht möglich gewesen !!! MARMOT, K2, 7tm, CRISPI … DANKE !!!

 
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