Donnerstag, 23 Oktober 2014 11:07

Interview mit Juniorenweltmeisterin Johanna Holzmann

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Mit guten Traditionen soll man nicht brechen. Daher werden wir auch in diesem Winter unsere Interview-Serie fortsetzen und mit Leuten sprechen, die in der Telemarkszene mal mehr, mal weniger bekannt sind, die aber auf jeden Fall so interessant sind, dass es sich einfach lohnt, diese etwas näher vorzustellen. In dieser Saison fangen wir mit Weltcup-Fahrerin Johanna Holzmann an.

Die Schweizerin Amélie Reymond ist in Sachen Telemark-Rennlauf bei den Frauen seit Jahren das Maß aller Dinge. Doch jetzt schickt sich mit Johanna Holzmann eine junge Deutsche an, an der Spitzenstellung der Seriensiegerin mächtig zu kratzen. Das Team von telemarkfriends hat mit der Oberstdorferin gesprochen, und sie hat dabei verraten, wie sie die Schweizerin in der neuen Saison „knacken“ will.

Johanna, wie bist du eigentlich zum Telemark gekommen?
Johanna Holzmann: 
Durch meinen älteren Bruder Benedikt und durch meine Eltern, die beide schon seit langem auf Telemarkski unterwegs sind. Nach meiner "Alpinkarriere" habe ich nach neuen Herausforderungen gesucht, habe diese beim Telemarken gefunden, und konnte trotzdem dem Rennsport treu bleiben.

Was hat Dich am Anfang an diesem Sport fasziniert, und warum fasziniert er dich noch immer?
Johanna: Die Bewegungsfreiheit auf dem Ski, und dass man im Tiefschnee durch die tiefere Position fast komplett im Schnee steckt bezeihungsweise dass man allgemein dem Schnee viel näher ist.

Was für Vorerfahrungen in Sachen Ski hast du gehabt, auf die du dann beim Telemarken zurückgreifen konntest?
Johanna: Mit Skifahren angefangen habe ich mit 3 Jahren, später war ich im SC Oberstdorf sowohl in der Langlauf- als auch in der Skitrainingsgruppe. Dann habe ich mich aber auf den Alpinsport konzentriert und war von 12 bis zum Alter von 14 Jahren im Regionalkader Oberallgäu Ski Alpin.
 

Was bedeutet dir Telemark heute?
Johanna: Da ich noch zur Schule gehe, kann ich meinen Sport als Leistungssport betreiben, und nicht nur als Hobby. Ich investiere viel Zeit und auch Geld in das Training, um später meine Ziele erreichen zu können. Im Moment lebe ich für meinen Sport.
 

Was fasziniert am Rennlauf?
Johanna: Das Adrenalin und die Aufregung am Start und natürlich der beziehungsweise die Schnellste zu sein - vor allem im Parallel Sprint im direkten Duell mit seinem Gegner. Wenn man dann ins Ziel kommt und weiß, das war ein super Lauf, dieses Gefühl ist unbeschreiblich.
 

Schaut man als Telemarkerin neidisch zu den Alpinen oder den Skilangläufern, was die für eine Förderung bekommen, während ihr für eurer Hobby kräftig zuzahlen müsst?
Johanna: Ich denke, damit haben wir uns alle abgefunden, und es ist schön zu sehen, wie die Förderung für uns von Jahr zu Jahr wächst.
Auch wenn es natürlich eine kostspielige Sache ist.
 
Warum macht man das dann trotzdem?
Johanna: Auch wenn ich viel aus eigener Tasche zahle, ist es das auf jeden Fall wert, all die Reisen, die man unternimmt und die Sachen, die man erlebt. Auch jeden Winter die Telemark-Familie wieder zu treffen, ist wahnsinnig schön.


Du hast im Juniorenbereich in diesem und im letzten Jahr gut abgeräumt. Was muss passieren, dass man so erfolgreich ist?
Johanna: Eine notwendige Voraussetzung ist ein gutes Sommertraining und dann die Vorbereitung im Herbst auf dem Gletscher, außerdem muss natürlich am Renntag alles zusammenpassen. Da ich bei der Junioren-WM als eine der Favoritinnen ins Rennen ging, war es auch wichtig, dass ich psychisch stark war und somit dem Druck standhalten konnte.

Wo kann man die entscheidenden Sekunden rausholen, was sind die Geheimtipps von dir?
Johanna: Viel rausholen kann man im Skatingteil, also sind eine gute Armkraft und eine saubere Skatingtechnik von Vorteil. Aber auch mit einer "cleanen" Fahrt, also mit null Penaltys, kann man noch wichtige Plätze gut machen.

 
Amelie Reymond ist bei den Mädels die Ikone. Wie weit ist sie noch weg von dir? Wann willst du sie angreifen und vom Thron stoßen?
Johanna: Von einzelnen Laufzeiten her konnte ich sie schon ein-, zweimal schlagen, und insgesamt komme ich immer näher ran an sie. Diesen Sommer lag mein Fokus auf dem Skatingtraining und einer verletzungsfreien Vorbereitung. Wenn alles nach Plan läuft, hoffe ich, sie dieses Jahr angreifen zu können und ein bisschen mehr zu ärgern.
 

Telemark ist keine Olympische Sportart. Träumst du trotzdem davon oder ist dies ein nicht zu realisierendes Ziel?
Johanna: Wie fern der Traum ist, weiß niemand so ganz genau, realisierbar ist er.
 
Wie wichtig wäre Olympia für euch Telemark-Rennfahrer?
Johanna: Sehr wichtig, denn viele Athleten können Telemark nur als ein Hobby ausüben und müssen auf Wettkämpfe verzichten, zum Beispiel wegen ihrer Arbeit oder aus finanziellen Gründen. Zudem ist Olympia wie für viele andere Sportler ein Lebenstraum, für den man hart arbeitet und trainiert, um ihn sich zu erfüllen.
 

Was ist schöner: ein perfektes Rennen oder ein perfekter Tiefschneehang?
Johanna: Das ist eine sehr schwierige Entscheidung, da beides unbeschreiblich schön ist. 
 

Was hast du als Tipps für einen parat, der mit dem Telemarkfahren beginnen will?
Johanna: Man sollte am Anfang geduldig bleiben und nicht verzweifeln, wenn es nicht sofort so klappt, wie man es sich vorgestellt hat. Aber man sollte dran bleiben. Denn am Ende wird man mit einer unglaublich schönen Sportart für seine anfänglichen Mühen belohnt.

Zur Person:
Name: Johanna Holzmann

Alter: 18

Wohnort: Oberstdorf

Verein: SC Oberstdorf

Erfolge: 7-fache Juniorenweltmeisterin, 4-fache Juniorenvizeweltmeisterin, 9 FIS Weltcuppodiums 

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