Donnerstag, 06 Februar 2014 21:11

Im Interview: Weltcupfahrer Jonas Schmid Empfehlung

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Und weiter geht es in unserer Interview-Serie. Dieses Mal haben wir uns Weltcup-Fahrer Jonas Schmid aus dem Telemark Team Germany herausgepickt und ihn mit Fragen gelöchert. Wer gerne wissen möchte, was daran so toll ist, im Telemarkstil durch den Stangenwald zu rasen, der wird es hier erfahren. 
Seit wann Telemarker, wie dazu gekommen, was fasziniert dich an der Sportart?
Jonas: Irgendwann hat man das Gefühl, mit dem Alpinen „fertig zu sein". Dann wechselt man die Bindung und stellt fest: Es hat gerade erst angefangen. Ernsthaft mit Telemark angefangen habe ich vor 4 Jahren, mein Teamkollege Benedikt Holzmann hatte da wesentlich seine Finger mit im Spiel.

Was fasziniert an den Rennen? Warum bist du nicht einfach nur Telemarker und fährst durch den Powder und genießt die Welt?
Jonas: Einen scharfen Ski auf einer prügelharten Piste auf die Kante zu stellen und durch zu ziehen, hat seinen ganz eigenen Reiz. Die gesetzten Tore wollen eine Grenze darstellen, doch genau dieses Limit jedes mal ein wenig weiter auszudehnen, macht unheimlich viel Spaß. Aber wenn es 30 cm Neuschnee hat, bin ich sicher nicht im Rennanzug unterwegs.

Wie viel Zeit opferst du für dein Hobby?
Jonas: Einen Haufen. Aber wer spricht denn von opfern? Wenn ich im Sommer meine Laufschuhe schnüre oder von September bis Dezember meine Wochenenden auf dem Gletscher verbringe, mache ich das, weil ich Freude daran habe.

Wie bekommt man das mit Job oder Schule oder Ausbildung zusammen?
Jonas: Das ist oft ein Knackpunkt. Ich habe die Prüfungen für dieses Semester gerade hinter mir, während dieser Zeit wurde die Telemarkerei fast komplett eingestellt. Aber wenn man das ein wenig vorrausschauend plant, geht sich das einigermaßen aus. Jetzt blicke ich erst einmal den Semesterferien entgegen.

Wie viel Geld steckst du in die Geschichte?
Jonas: Das habe ich aus Angst noch gar nie genau ausgerechnet, da kommt auf jeden Fall einiges zusammen. Ohne Unterstützer wäre eine komplette Rennsaison für mich nur sehr schwer realisierbar.

Warum macht man das alles?
Jonas: Es macht Spaß. Man trifft viele Leute in einer familiären Szene, man misst sich mit anderen, man kommt in der Welt umher, man lernt wie man verschiedenste Dinge angeht - von Reiseplanung über Renntaktik bis hin zu „Wie unterhalte ich mich mit einem Franzosen ohne französch oder englisch?". Einmal angefixt, ist es nicht so einfach wieder loszulassen.

Alle möglichen Sportarten sind olympisch. Warum Telemark nicht?
Jonas: Gute Frage. Vieles würde dafür sprechen Telemark ins Olympische Programm mit aufzunehmen. Die Damen sind bei uns seit je her dabei (bei den Skispringern wurden das vor drei Jahren quasi aus dem Boden gestampft), es starten mindestens so viele Nationen im Weltcup wie bei diversen anderen Sportarten, wir haben gleich viele Weltcups in einer Saison und im Gegensatz zu zum Beispiel Rodeln gibt es eine aktive Szene, die diesen Sport abseits vom Rennsport betreibt, was aus Sicht der Wintersportindustrie nicht uninteressant sein dürfte.

Warum wäre das für euch so wichtig, olympisch zu sein?
Jonas: Es würde uns deutlich mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen. Momentan führt der Sport ein Schattendasein, das in keinem Verhältnis zum Potenzial der Sportart steht. Wenn ich beispielsweise sehe, mit welcher Selbstverständlichkeit andere Sportarten ihre Trainingsbedingungen gestellt bekommen und vergleiche, wie viel Mühe es uns kostet, zum Beispiel überhaupt einmal mit Kreisel trainieren zu können, während gleichzeig unsere Leistungen in Statistiken des Verbands verwendet werden, um einen allgemeinen Aufwärtstrend zu bescheinigen, dann stimmt etwas nicht.

Tobi Müller ist euer Aushängeschild. Ist es gut, so einen überragenden Fahrer im eigenen Team zu haben oder nervt es, dass er all die Aufmerksamkeit auf sich zieht?
Jonas: Es ist gut, jemanden wie Tobi dabei zu haben. Er zieht Aufmerksamkeit an, und genau das brauchen wir momentan. Außerdem hat er sich seine Erfolge selbst erarbeitet, kein Grund also, neidisch zu werden.

Jetzt gehts nach Steamboat (USA) zum Weltcup. Wie finanziert man so etwas, da die Unterstützung vom Verband ja eher überschaubar ist.
Jonas: Arbeiten und Unterstützung von außen. Jeder von uns versucht das ganze Jahr über genügend Kohle für den Winter zusammen zu kratzen, um sich die Wettkämpfe leisten zu können. Nebenher noch in die Schule zu gehen oder zu studieren, macht das nicht einfacher. Nicht zu vergessen sind jedoch einige Unterstützer neben dem Verband. Hauptsächlich möchte ich mich an dieser Stelle beim Skigebiet Oberjoch sowie meinen Eltern bedanken.

Wie bist du mit den bisherigen Saisonrennen zufrieden?
Jonas: Ich bin regelmäßig unter den besten zehn Telemarkern, das ist wirklich nicht schlecht. Aber ich würde heuer noch gerne aufs Podium fahren.

Was hast du noch für sportliche Ziele?
Jonas: Möglichst viele Schneetage sammeln, und irgendwann will ich Bier aus einer Kristallkugel schlürfen.

Wo siehst du den Telemarksport in vier, fünf Jahren?
Jonas: Sehr schwere Frage. Da hängt vieles in naher Zukunft von Personen und Dingen ab, die ich nur bedingt beeinflussen kann. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern, die der Telemarkerei verbunden sind. Ziel ist momentan aber definitv den Sport olympisch zu machen.

Zur Person:
Name: Jonas Schmid
Alter: 21
Verein: SC Oberstdorf
Beruf: Student
Größte Erfolge: 2. Platz Disziplinenwertung Classic, 2x 4.Platz WM, Weltcupsieg Classic in Rauris

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