Donnerstag, 12 Februar 2015 17:14

Im Süden nichts Neues Empfehlung

geschrieben von 

Im Süden nichts Neues!

Die ISPO 2015 kann man in Anlehnung an den Klassiker der deutschen Literatur mit der Überschrift „ Im Süden nichts Neues!“ am besten beschreiben.

Zumindest für uns Telemarker hatte die diesjährige ISPO nichts wirklich Neues zu bieten. Das Thema Telemark wird, wenn überhaupt, dann nur Rande oder in der zweiten Reihe präsentiert. Teilweise war das Thema bei den großen Playern am internationalen Wintersportmarkt, wie zum Beispiel bei Black Diamond, überhaupt nicht vorhanden.

Das ganz große zentrale Thema ist - wie die vergangenen Jahre auch schon - der Tourenbereich und hier vor allem der Leichtbau. Jedes, wirklich jedes Unternehmen bietet mittlerweile ultraleichte Tourenski an. Teilweise hatte man das Gefühl, keinen Tourenski mehr in der Hand zu halten, sondern sich aus Versehen einen Langlaufski geschnappt zu haben. Ob dieser Leichtbauwahn die richtige Richtung ist, muss sich aber erst noch beweisen, denn ich will nicht nur schnell und komfortabel auf den Berg, sondern auch wieder sicher ins Tal und das nicht nur ein oder zweimal mit meinem Leichtbau-Equipment.

Aber der Reihe nach:

Bei Rossignol blieb alles fast beim Alten. Die letztes Jahr neu überarbeitete Experience-Serie wird weiter unverändert angeboten. Das freut uns, denn die Allmountainski sind richtig klasse. Bei der zu Recht überaus erfolgreichen 7Series bleibt es auch im Großen und Ganzen wie gehabt. Lediglich beim Squad7 und Super7 wird das Heck etwas gestrafft, was die superben Fahreigenschaften nochmals verbessern soll.

Bei Dynastar bietet sich ein ähnliches Bild. Die erfolgreiche Cham-Serie gibts mit angepasstem Design und erweitert um eine Leichtbauvariante, dem Mythic, weiterhin. Gut so, denn die Cham-Serie hat in den vergangenen Skitests immer zu den Spitzenreitern gezählt.

Auch auf dem Scott-Stand drehte sich viel um den Touren- und Freeridebereich. Auch hier neue leicht Tourenski, Super Guide 88 und 95, und sehr leichte tourentaugliche Freerideski, Cascade 95 und Cascade 110. Speziell die Cascade-Serie soll jungen Freeridern das Tourengehen nahebringen und leicht machen. Die alten Haudegen wie The Ski und Punisher bleiben weiter in Programm und wurden lediglich optisch überarbeitet, was vor allem dem The Ski gut getan hat. Weiter hat Scott einen neuen leichten Freeride-Lawinenrucksack im Programm, der durch ein geringes Packmaß und vor allem geringem Gewicht punktet. Bei den Schuhen bleibt, ihr werdet es erraten, bis auf die Farben alles beim alten. Leider haben die Scott-Schuhe aber nach wie vor keine Tech-Inserts.
Das ist eigentlich die einzige Innovation, die es im Bereich Telemark gibt: Leichte tourentaugliche Bindungen basierend auf dem NTN-Prinzip und Tech-Inserts scheinen zu kommen. Hinter vorgehaltener Hand soll sich hier aber was tun. Wir bleiben dran.

4frnt hat sich ziemlich prominent am Hauptweg in der Action Halle positioniert, und so stolperten wir praktisch direkt in die neue Kollektion. Neben den bekannten und geschätzten Geräten wie z.B. Hoji, oder Renegade, die für die nächste Saison neu eingekleidet worden sind, sticht vor allem die neue Kye-Serie hervor. Eine Hardcore-Freeride-Serie, die vom Teamrider Kye Petersen mitentwickelt worden ist. Wir sind gespannt und hoffen beim Skitest den einen oder anderen Kye genauer unter die Lupe nehmen zu können.

Kästle hat die bekannten Serien FX und BMX neu überarbeitet und aufgeteilt. Bis zu einer Skibreite von 100 mm gibt es die FX, über 100 mm die BMX-Serie. Generell wurde der Shape neu gestaltet, d.h. die Schaufel wurde länger und die Ski haben etwas mehr Rocker. Auch wird es jeden Ski in zwei Ausführungen geben, als Glasfasermodell oder mit Tintanal im Aufbau, die dann mit HP (High Performance) gekennzeichnet sind. Die Glasfaservariante ist leichter, bei fast gleichen Fahreigenschaften, wie hoher Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten und viel Komfort und spielerischer Leichtigkeit in allen Bereichen.

Bei Völkl bleibt alles beim Alten, was in diesem Fall ja nichts schlechtes sein muss. In unserem Skitest durften die verschiedensten Völkl-Modelle bereits glänzen, und so hoffen wir, vielleicht doch auch einmal ein Modell aus der BMT-Serie genauer unter die Lupe nehmen zu dürfen. Wir würden es uns gönnen.

Auch Blizzard konnte sich dem Diättrend nicht entziehen und präsentiert die neue Free Touring Serie Zero G mit 5 Modellen. Diese Linie richtet sich vor allem an die Freerider, die von der Bergstation nicht nur den nächsten kleinen Kamm erreichen wollen, sondern an jene, die wirklich neues Terrain entdecken wollen und dazu auch längere Auf- und Zustiege in Kauf nehmen, oder die als Belohnung nach dem anstrengenden Tourenaufstieg das ultimative Freeride-Feeling wollen.
Wobei aber Blizzard auch die normalen Freerider nicht vergessen hat und mit der Flip Core Serie sehr potente Spaßgeräte bereit hält.

Auch der Stand von Fischer war imposant. Nicht nur was die reine Standarchitektur betrifft, da kann man sich streiten, sondern auch was hier zu sehen war. Neben den üblichen super leichten Tourenski gab es hier mal eine richtige fette Latte zu sehen. Ein tourentauglicher breiter Freerideski Ranger in 2,02 Meter, der wie solls anders sein, auch noch leicht ist. Wir sind gespannt, was daraus wird. Das eigentliche Highlight ist allerdings das neue Tourenfell von Fischer. Wobei Fell es nicht ansatzweise trifft. Vielleicht eher Schuppenhaut? Es hört auf PROFOIL und ist im Endeffekt nichts anderes als ein Schuppenbelag wie wir ihn von klassischen Langlaufski her kennen, nur dass sich dieser auf die Tourenski kleben und wieder abmachen lässt. Vom Handling her also gleich wie ein altbekanntes Tourenfell. Der Vorteil von PROFOIL soll der geringe Gleitwiderstand und die nicht vorhandene Wasseraufnahme sein.

Auf dem Stand von G3 gabs wieder lässige Freeride-Latten zu sehen, und wir sind schon gespannt, dem Empire Carbon 115 und dem Boundary 100 etwas näher treten zu dürfen. Einen ersten Eindruck wird es sicher in nächster Zeit hier geben. Im Bindungsbereich tut sich hier leider sehr wenig bzw. dann doch wieder viel. Im Angebot bleiben die Enzo, diese wurde ja vor nicht allzu langer Zeit erst eingeführt, und die Tourenmodelle Targa Ascent. Die konventionelle Targa wird leider entfallen. Eine NTN-Bindung ist derzeit noch nicht absehbar. Aber auch hier könnte es sein, dass sich etwas in Richtung Tech-Inserts tut, wir werden die Augen und Ohren offen halten.

Auch bei Scarpa wird die Luft dünner. Im NTN-Bereich bleibt es bei den Modellen TX Comp, TX Pro und TX Pro Woman. Dramatisch ist es im 75mm Segment. Den T Race wird es nach all den Jahren nicht mehr geben, sondern nur noch den T1, den T2 Eco und den T2 Eco Woman. Natürlich hoffen wir auch hier, dass hinter verschlossenen Türen fleißig an neuen Modellen getüftelt wird.

Crispi ist, was die Auswahl an verschieden Modellen betrifft, die Nummer eins auf der ISPO. Zwar gibt’s auch hier keine wirklichen Neuerungen, aber zumindest werden keine Modelle aus dem Programm genommen. Sowohl der NTN- als auch der 75mm-Bereich werden weiterhin mit einer relativ großen Bandbreite bedient. Die NTN-Rennschuhe erhalten alle Tech-Inserts.

Wobei wir dann schon beim vielleicht nächsten großen Thema sind: NTN-Bindung mit Tech-Inserts. Das scheint wirklich ein Thema zu sein. Neben den fertigen Bindungen konnten wir auch einen Blick auf einen vielversprechenden Prototypen eines namhaften Bindungsherstellers werfen. Aber Pssst! Mehr kann noch nicht verraten werden.
Beim letztjährigen Skitest durften wir schon die Prototypen der Meidjo-Bindung der Firma The M Equipment testen. Nun auf der ISPO wurden die neuesten Modelle vorgestellt und auch prompt der ISPO Award gewonnen. Die Meidjo bietet die Möglichkeit, Harscheisen zu verwenden und die Ferse zu fixieren. Aber nur, wer das auch will.
Außerdem konnte man hier am Stand auch das hauseigene Skiortungssystem begutachten und testen. Das System funktioniert wie ein altes LVS-Gerät und findet den Ski über die Höhe des Signaltones und der LED-Anzeige. Jeder, der schon mal seinen Ski im Tiefschnee gesucht hat, wird sich so ein System wünschen.

Auch zwei Gassen weiter bei ATK wird weiter an diesem Thema gearbeitet. Wir berichteten bereits von der Bindung. Ungewöhnlich ist hier, dass der NTN-Schuh für diese Bindung umgebaut werden muss und dann aber so nicht mehr in eine andere Bindung passt, was sicherlich ein Nachteil sein kann. Allerdings lässt sich die Metallklammer auch wieder vom Schuh entfernen, um dann in die normale NTN-Bindung zu passen. Mit der Meidjo teilt sich auch die ATK-Bindung die Funktion des Fersenteils, die es erlaubt, den Schuh in Alpinstellung zu fixieren. Für uns Telemarker natürlich eine unvorstellbare Situation. Wir versuchen natürlich hier ein Testmodell zu bekommen, um diese neue Bindungsform unter realen Bedingungen zu beurteilen.

Eine wirkliche Neuerung gab es zuletzt auf dem Stand von Komperdell mit dem Stiletto. Damit heimste Komperdell den ISPO Award und den Best new Gear 2015 Preis ein. Nicht nur die Tourengeher kennen das Problem, dass Teleskopstöcke zwar eine schöne Sache sind, aber in der Realität dann doch nur einmal auf die richtige Länge eingestellt werden und es den ganzen Tag dann auch so bleiben. Über dieses Thema haben sich die Jungs von Komperdell dann ein paar Jährchen den Kopf zerbrochen, um dieses Jahr den Stiletto zu präsentieren und Preismäßig gleich abzusahnen. Am besten passt hier der Vergleich mit einem Kugelschreiber, denn die Funktion ist frappierend ähnlich. Am oberen Ende des Griffes befindet sich ein farbiger Knopf. Wenn dieser gedrückt und keine Kraft auf den Stock ausgeübt wird, kann der Stock um ca. 20 cm ein- bzw. ausgefahren werden. Also genau so wie die Mine beim Kugelschreiber. Der Vorteil für den Tourengeher leuchtet sofort ein. Beim Queren eines Hanges ist der Talstock bei gleicher Handhabung natürlich länger als der Bergstock. Nach der Spitzkehre kann dann durch einfachen Knopfdruck der alte Talstock eingefahren und so zum neuen Bergstock werden und umgekehrt. Man braucht also nicht mehr umständlich umgreifen, oder den einen Stock am Griff, den anderen am Schaft greifen, sondern kann immer bequem mit beiden Händen am Griff und in der Griffschlaufe bleiben. Aber auch wir Telemarker können hiervon profitieren. Beim Telemarken kann der Stock kürzer gefahren werden, dann beim Rausschieben aus dem Tiefschnee ober beim Liftanstellen hab ich auf Knopfdruck wieder die normale Stocklänge zur Verfügung. Da das System bei Komperdell nur über eine Feder funktioniert, bleibt die Funktion auch bei allen Witterungsbedingungen und Temperaturen gleich.

Abschließend betrachtet, gab es dann doch das eine oder andere Spannende und Neue zu sehen und auch wenn wir Telemarker nicht mehr so im Mittelpunkt des ISPO-Geschehens stehen, macht uns das gar nichts aus, denn bei der Schneelage derzeit wollen wir sowieso nur raus und fahren.

 

Gelesen 2781 mal
Artikel bewerten
(3 Stimmen)
Mehr in dieser Kategorie: « G3 Umfrage Glück auf! »

empfohlene Artikel

Anmeldung



Google AdSense

Telemarkfreunde

Aktuell sind 73 Gäste und keine Mitglieder online