Samstag, 27 Oktober 2001 02:00

Telemark anno 1909

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ImageWie die neue Technik auszuführen ist und weshalb man sie beherrschen sollte, beschreibt Theodor Wohlrath auf nette Weise in seinen Buch „Wintersport – Ein Ratgeber und Leitfaden für das Schlittschuhlaufen, Skifahren, Rodeln und sonstigen Wintervergnügen“ (1909):
Mit Telemark wird eine Übung bezeichnet, die es ermöglicht, aus einer schnellen Fahrt durch eine elegante Drehung die Schneeschuhe zum Stillstand zu bringen. Welch großer Wert darin liegt, den Telemarkschwung mit Geschick ausführen zu können, kann nur der ermessen, der einmal in der Lage war, einen solchen Schwung in der Not benutzt zu haben. Fendrich gibt in seinem Buch über das Skilaufen ein Beispiel, er schreibt folgendes: ‚Ein Läufer glitt einen steilen Hang hinab an meiner Nase vorbei, gerade auf einen Bauernhof zu, der mit einem Gartenzaun umgeben war. Hinter dem Zaun schaufelte der Bauer Schnee aus dem Garten.
ImageDa erblickte er plötzlich den auf ihn zulaufenden Menschen. Vor Schreck streckte er die Arme weit in die Höhe, wie um das Unheil von sich, dem Gartenhag und vielleicht auch dem Skiläufer abzuwenden. Im nächsten Augenblick geschah etwas Unerwartetes, der Skiläufer machte einen kleinen merkwürdigen Ruck und stand dann wie angenagelt vor dem Bauern, den er höflich nach dem Weg fragte‘. Diese kleine Geschichte kennzeichnet den Wert des Telemarkschwunges. Sie ist zu vergleichen mit einem Reiter, der im gestreckten Galopp auf eine Gefahr zu reitet und es versteht, im letzten Augenblick das Pferd geschickt zum Stehen zu bringen.“
Image So, jetzt wissen wir also, warum es so unendlich wichtig ist, dass man den Telemarkschwung in Perfektion ausführen kann. Aber wie wird er überhaupt ausgeführt? Und wie wird er erlernt? Auch darauf hatten die Skifreaks um 1900 schon eine Antwort. Hier die methodische Übungsreihe und die Bewegungsbeschreibung eines Telemarkschwungs von Theodor Wohlrath (1909):

„Der Telemarkschwung ist dem Stemmbogen nicht unähnlich, jedoch seine Technik bringt schönere Formen zum Vorschein. Es muß links und rechts geübt werden, da jemand in die Zwangslage kommen kann, nach dieser oder jener Seite ausweichen zu müssen. Das geeignete Feld zum Üben des Telemarkschwungs ist ein nicht zu steiler Abhang und frischer 20-25 cm hoher Schnee. Als Vorüben ist das Abfahren in der Ausfallstellung zu empfehlen. Hierbei wird das rechte Bein, das etwas nach vorn gehalten wird, gebeugt, während das linke mehr gestreckt nachgleitet. Das Schwergewicht des Körpers ruht auf dem rechten, wodurch das linke fast entlastet ist. Die Spitze des linken Schneeschuhs ist dicht an der Bindung des rechten gehalten. Gelingt ein solches Abfahren mit Sicherheit, dann mag mit dem Üben des Telemarkschwunges des Telemarkschwunges begonnen werden und dies in folgender Reihe: Die Spitze des rechten Schneeschuhs wird nach innen gedreht und zum Teil gekantet, während der linke in der oben beschriebenen Stellung bleibt, dies aber in fester Verbindung mit dem rechten. Es wird ein jeder herausfinden, daß der rechte Schneeschuh die eigentliche Arbeit leistet und der linke nur zur Unterstützung dient. (...) Je intensiver das rechte Bein gebeugt, der Körper nach vorn gelegt und die Spitze des Schneeschuhs nach innen geführt wird, desto kürzer ist der Bogen und darum wird der Läufer früher zum Halten kommen. Schöner ist ein weiter Bogen, der möglicherweise bis zur vollen Umkehr führt.“

pad 27.10.2001

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