Skitest 2014 - international wie nie

geschrieben von  Patrick Droste, Peter Schilcher
So international war unser großer Telemarkskitest noch nie. Bei der elften Auflage, die erneut bei grandiosen Schneebedingungen auf dem Hintertuxer Gletscher stattgefunden hat, waren Tester aus sieben verschiedenen Ländern dabei. So waren Telemarker aus Norwegen, Österreich, Italien, Schweiz, Ungarn, Tschechien und natürlich aus Deutschland angereist, um mit dem Team von Telemarkfriends all das unter die Lupe zu nehmen, was uns der Markt in Sachen Ski für die neue Saison so alles offeriert.

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Erst einmal muss man aber ein paar Worte über die Bedingungen oben auf dem Gletscher in Hintertux loswerden, wo wir wieder eine unglaubliche Unterstützung vom Tourismusverband und von den Bergbahnen erfuhren. Am ersten Tag hatten wir perfektes Fotowetter mit Sonne vom ersten bis zum letzten Schwung. An den drei darauffolgenden Testtagen ließ sich der gelbe Ballon eher selten blicken, dafür rieselte der Schnee vom Himmel. Und der fiel so fett, dass wir an den Tagen drei und vier aus dem Staunen nicht mehr herauskamen. Denn wir hatten Powder, wie man ihn selbst im tiefsten Winter kaum einmal findet – und das Mitte Mai.

Kommen wir nun zu den Dingen, um die es beim Test eigentlich ging: um die Ski. Wieder einmal hatte uns die Industrie eine überaus breite Palette an neuen Modellen zukommen lassen: Pistenski, All-Mountain, breite Freeride-Latten, Herren- und Damenmodelle, mit und ohne Rocker, nur vorne Rocker, Doppelrocker – es war für jeden was dabei. "Das ist das Geniale an diesem Test. Man kann so viele verschiedene Paar Ski ausprobieren und dabei herausfinden, was einem am besten gefällt. So eine Möglichkeit hat man nicht oft", staunte selbst der dreifache Telemarkweltmeister Tobi Müller, der erstmals beim Telemarkfriends-Test dabei war und sich sehr angetan zeigte.

Besonders spannend fanden wir in diesem Jahr zwei Geschichten. Zum einen von Rossignol den Super 7 und den Soul 7, die beide an der Schaufel und am Tail mit der neuartigen Wabenkonstruktion ausgestattet und dadurch ungemein leicht sind. "Dadurch haben wir Gewicht gespart. Das Ergebnis ist eine verbesserte Manövrierfähigkeit des Skis bei Erhalt der Stabilität", erklärte Rossignol-Vertreter Oliver Weber. Während der vier Testtage waren die Modelle dieser beiden Serie immer irgendwo am Berg unterwegs. Und fast alle Tester kamen mit einem breiten Grinsen im Gesicht zur Basisstation zurück. Denn durch den Shape vermitteln der Soul 7 und der etwas breitere Super 7 ein Surffeeling der besonderen Art. "Der Ski führt die Manöver sehr exakt aus, dennoch fühlt er sich völlig leicht an", sagte Weber. "Der Ski ist lebendig und wendig."

Auch Weltmeister Tobi Müller war von diesen beiden Rossignol-Ski sehr begeistert. "Diese Freerider gehen richtig gut. Aber auch die Völkl-Modelle sind klasse zum Telemarkfahren. Und die DPS-Ski waren auch sehr interessant, weil sie so stabil waren", meint Müller.

Die von Tobi Müller angesprochenen DPS-Ski waren zum ersten Mal beim Test dabei. Und wir fanden sie neben den Rossignol-Modellen zum anderen richtig klasse. DPS bedeutet Drake Powder Works und wurde im Jahr 2005 von Stephan Drake gegründet, der aus der Snowboard-Profiszene stammt. Er wollte bei einem Alpinski den gleichen Auftrieb erreichen wie er es vom Snowboarden kannte – und schätzte. Dabei erfand und entwickelte er eines der ersten Rocker-Konzepte. In der Saison 1997/98 hatte er sich in Chile beim Powdern einen Ski gestaucht und gemerkt, dass diese hochgebogene Schaufel im Tiefschnee durchaus Vorteile hat. Dadurch kam er auf die Idee der mittlerweile überaus populären Rockerschaufel, ließ sich dies aber nicht patentieren.

Dennoch strebt er seitdem danach, den perfekten Ski für diejenigen zu bauen, die den Skisport leben und atmen. So ist DPS die einzige Firma weltweit, die ihre Ski nur aus einem Holzkern und einem Carbonlaminat baut. Dadurch sind die Modelle dieser so genannten Pure-Linie um 30 Prozent leichter als herkömmliche Ski und gleichzeitig um 30 Prozent verwindungssteifer. Gleichzeitig wird in die Schaufel ein zusätzliches Gewicht von fünf Gramm eingebaut, so dass der Ski bei schnellen Fahren ruhiger liegt. "Für die Abstimmung und die Performance ist das ein wichtiger Schritt", erläuterte uns DPS-Sales-Agent-German Roland Knapp, der zudem darauf hinwies, dass die Firma 2013 einen weiteren Meilenstein setzte. Denn nach einem Jahrzehnt Produktion in China wurde die Fertigungsstätte in die USA an den Fuß des Wasatch-Gebirgszuges gelegt, wo nun Entwicklung und Produktion unter einem Dach vereint sind.
Das erste Resultat aus Produktion und R&D unter einem Dach ist der SPOON. Ein Ski mit einer Konvexen Schaufel, der es ermöglicht im "Deep Powder" den Turn zu "surfen". Neben dem SPOON wird diese Technologie auch im Lotus 138 SPOON und Lotus 120 SPOON angewendet damit sie dem DSP Slogan "We build Skis for those who live and breathe the sport." gerecht werden.

Das, was DPS jetzt startet, macht die im Jahr 2003 gegründete US-Firma Moment bereits seit Anfang an. Es werden alle Ski in eigener Produktion hergestellt und von den Gründern selbst entwickelt, getestet und in Reno/Nevada in der eigenen Firma von Hand gebaut. Alle Bauteile kommen dabei aus den USA; bis auf die Kanten, die aus Österreich importiert werden. Die verbauten Hölzer kommen aus den heimischen Wäldern rund um den Lake Tahoe. Diese Qualität spürt man – davon konnten wir uns beim Test einen Eindruck machen.

Aber auch die Modelle der zahlreichen anderen Firmen haben uns mächtig beeindruckt und uns beim Testen viel Spaß bereitet. Schaut euch unsere Testergebnisse an.
Die eine Hälfte der Ski waren übrigens mit NTN-Bindungen bestückt. Die andere vornehmlich mit der Vice von 22Designs. Mit diesen härteren, mehr Seitenstabilität garantierenden und die Kraft besser übertragenden Bindungen haben wir der Ski-Entwicklung Rechnung getragen. Denn die R4-Bindungen von Rottefella, mit denen wir bislang immer beim Test gearbeitet hatten, waren für die breiten und massiven Latten einfach nicht mehr geeignet. Daher gilt unser Dank den beiden Bindungen-Firmen, die uns für den Test entsprechend unterstützt haben.

Fotos: Patrick Droste, Christian Keller und Ondrej Novak


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